Herzenswunsch - Svenja bei den "Toten Hosen"
Eine Anmerkung von Ken Frege


Svenja Hamdorf ist eine 17 Jahre alte Abiturientin aus Neuruppin in der Nähe von Berlin. Ich habe von ihr in dem Fernsehbeitrag der TV Berlin Sendung „Harry Hilft“ vom 11.12.2009 gehört. Sie hatte einen Herzenswunsch: einmal die deutsche Punkrockband „Die Toten Hosen“ persönlich kennen lernen. In der Sendung erzählte Robert Koch, der Pressesprecher von Kinderlaecheln Berlin-Buch e.V von dem Schicksal der Kinder auf der Krebsstation im Klinikum Buch. Der Oberarzt Lutz Wiegmann der Kinderonkologie Berlin-Buch unterstrich Kochs Schilderungen, indem er darüber berichtete, wie die Kinder die Chemotherapie ertragen und wie sich schon 10 jährige mit dem Tod auseinandersetzen. Der erfolgreiche Eishockeyspieler Stefan Ustorf des DEL-Teams Eisbären Berlin sagte, dass sich die Spieler der Eisbären für die kleinen Kinder seit mehreren Jahren einsetzen und versuchen sie zu unterstützen.

Mich bewegte die Sendung „Harry hilft“. Somit entschloss ich mich ganz spontan Svenja ihren Herzenswunsch zu erfüllen. Mein Onkel ist der Sänger der Band „Die Toten Hosen“ und ich sah dadurch eine Möglichkeit, durch einen simplen Telefonanruf Svenja für ein paar Stunden ihre Krankheit vergessen zu lassen. Ich selbst habe schon Menschen, die mir sehr nahe standen durch Krebs verloren. Wohl wissend was einem Todkranken ein positives Erlebnis bedeuten kann, bat ich meinen Onkel um die Erlaubnis, Svenja nach Düsseldorf einzuladen.

Am 18.12.2009 war es dann soweit. Ich sollte Svenja, die sich einer Chemotherapie in Buch unterzog, ihr Geschenk persönlich überbringen. Die Schicksale der einzelnen Kinder sind ergreifend. Vor allem durch ihre Willenskraft und durch ihren Mut den Krebs zu besiegen, besitzen die jungen Patienten eine faszinierende Ausstrahlung.

Als ich Svenja endlich kennen lernte und ihr sagte: „Hallo ich bin Ken. Du fliegst mit mir in 4 Tagen zum Weihnachtskonzert der Toten Hosen“, war sie von den Socken. Es verschlug ihr die Sprache. Erst nach ein paar Minuten war sie wieder ansprechbar. Etwas später hatten wir Gelegenheit uns unsere Lebensgeschichten zu erzählen. Svenjas Geschichte und ihr Schicksal zeigten mir, dass ich hier genau das Richtige tat.

Nachdem die Ärzte ihr im November 2 Wochen lang gesagt hatten, dass sie Husten bis stärkeren Lungenhusten habe, bekam sie am Freitag dem 13. November 2009 die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs (Morbus Hodgkin). Diese Art von Krebs ist sehr selten. Sie tritt am häufigsten bei den 20-40 jährigen auf. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg erkranken jährlich etwa 2.000 Menschen an Morbus Hodgkin, was 0,5 Prozent aller Krebserkrankungen entspricht.

Kurz vor Weihnachten, um genau zu sein am 23. Dez., trafen wir uns also am Flughafen Tegel um nach Düsseldorf zu fliegen. Svenja, ihre Mutter Ariane und der Begleiter von Kinderlächeln Achim Krüger waren schon vor Ort .Als ich durch die Drehtür kam, atmete die Abiturientin erst einmal tief durch. Wahrscheinlich dachte sie: Wow, er ist wirklich gekommen, jetzt geht’s endlich los. Ich fühlte mich sehr unsicher, wusste nicht so recht was ich sagen sollte. Für mich war es nichts Außergewöhnliches nach Düsseldorf zu fliegen um auf ein Toten Hosen Konzert zu gehen. Diese Freude Svenjas, ihre Nervosität und Anspannung ,da sie nicht wirklich wusste, was auf sie zukam, fand ich erfrischend und erschütternd zugleich. Wenige Stunden später, nachdem ich in der Düsseldorfer Halle vor Ort alles organisiert hatte, konnte ich meinen Gast Svenja und ihre Begleitung endlich in Empfang nehmen und in den ISS Dome geleiten. Plötzlich hörte ich einen kurzen, lauten Aufschrei. Es war Svenja. Sie hatte gerade Vom Ritchie erblickt, der durch den Gang ging. Ich dachte: Oh mein Gott, wie hysterisch, was ist bloß so besonders? Aber ich sollte eines Besseren belehrt werden.

Als ich mit den Gästen im Catering Raum saß und der Kleinste der Band auf einmal vor uns stand, weswegen Svenja kurz vorher schon aufgeschrien hatte, war die Stimmung überwältigend. Svenja sagte kaum ein Wort, man sah ihr an, dass sie unter dem Mundschutz, den sie für ihre eigene Sicherheit auch vor den Jungs tragen musste, rot anlief und lächelte. Vom, der selber mit einer starken Grippe kämpfte, redete mit ihr. Die Unterhaltung verlief etwas stockend. Vom sagte mir später: Es war sehr schwer für mich mit Svenja zu reden, da ich nicht einfach nur fragen wollte: Hey, wie geht’s dir? Ich wusste nicht was ich sagen soll. Ich konnte Vom’s Gedanken nachvollziehen, denn mir war es am 18. Dez. nicht anders ergangen. Andreas Meurer und Andreas von Holst kamen auch noch vorbei. Ariane Hamdorf machte eifrig Fotos. Als dann mein Onkel, der Sänger der Band auftauchte, war Svenja komplett sprachlos. Für meinen Onkel hat Krebs eine sehr persönliche Bedeutung, denn er hat beide Eltern an Darmkrebs verloren. Svenja sagte auch zu ihm: „Bitte entschuldige, ich bin etwas nervös“. Für die vielen Erinnerungsfotos wurde der Mundschutz jeweils abgenommen.

Das Konzert verbrachte Svenja auf einer Art Podest beim Mischpult in der Mitte des Doms. Ich merkte wie sie immer wieder aufspringen und tanzen wollte. Ich machte mir Sorgen, ob sie das gesamte Konzert überhaupt durchstehen würde, da sie ja gerade erst ihren zweiten Chemoblock bekommen hatte. Ich kann mir vorstellen, dass ihre Behandlung sehr Kräfte zehrend ist. Aber sie hielt wacker durch und wippte mit.

Nach dem Konzert, erzählte Svenja mir warum sie nur ein Lied mit getanzt hatte. "Die Chemotherapie beeinträchtigt die Beinkraft und ich darf eben nicht so lange stehen." Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich ihr eine Liege hinstellen lassen! Am nächsten Tag ging es wieder nach Berlin. Svenja hatte ihr DTH T-Shirt an, welches ihr nach dem Konzert mit Unterschrift geschenkt wurde. Sie war überglücklich.

Als wir aus dem Flugzeug ausstiegen, war ich sehr ergriffen und kämpfte mit Freudentränen. Ich hatte das Gefühl, das absolut Richtige getan zu haben. Ich muss mich an dieser Stelle, sehr bei Svenja bedanken. So ein Lächeln und solch eine ehrlich Freude habe ich seit langem nicht erlebt. Damit hat sie mich am 24.12. reicher beschenkt, als irgendein anderes Geschenk an Weihnachten. Ich wünsche dir Svenja alles Gute und weiterhin sehr viel Kraft und Mut deiner heimtückischen Krankheit den Kampf anzusagen. Danke dir, für alles.

Euch von Kinderlächeln, will ich sagen, dass ihr gute und genau die richtige Arbeit macht. Kinder lächeln zu sehen ist schon etwas Besonderes.

Ich werde euch nie vergessen!

Ken Frege

 

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